{"id":60,"date":"2014-11-14T10:33:10","date_gmt":"2014-11-14T09:33:10","guid":{"rendered":"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=60"},"modified":"2020-09-27T16:07:29","modified_gmt":"2020-09-27T14:07:29","slug":"stefan-capaliku-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shkoder.net\/de\/stefan-capaliku-auf-deutsch\/","title":{"rendered":"Stefan \u00c7apaliku auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p><i>Albanische Literatur<\/i><\/p>\n<p><center><b>Auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=34\">Arshi Pipa<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=27\">Brikena Smajli<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=38\">Frederik Rreshpja<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=41\">Gazmend Krasniqi<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=43\">Ledia Dushi<\/a><br \/>\n| <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=46\">Martin Camaj<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=49\">Primo Shllaku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=52\">Ridvan Dibra<\/a> | <b>Stefan \u00c7apaliku<\/b> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=29\">Sokol Zekaj<\/a><\/center><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/em><\/p>\n<h3><strong>Stefan \u00c7apaliku (1965)<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.shkoder.net\/images\/shkodra\/capaliku.jpg\" alt=\"Stefan \u00c7apaliku\" width=\"200\" height=\"215\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><strong>Stefan \u00c7apaliku<\/strong>, geb. 1965 in Shkodra, Studium der albanischen Sprache und Literatur an der Universit\u00e4t Tirana, Promotion. T\u00e4tigkeit als Lehrer, Dozent an der Universit\u00e4t Shkodra, Ministerialdirektor im Kulturministerium, Verleger, Dozent an der Theaterakademie in Tirana. Mitglied mehrerer nationaler und internationaler kultureller und kulturologischer Institutionen.<\/p>\n<p>\u00c7apaliku ver\u00f6ffentlicht Lyrik, Prosa, Theaterst\u00fccke und literaturwissenschaftliche Arbeiten, bisher 12 B\u00fccher. Preistr\u00e4ger zweier Literaturpreise.<\/p>\n<p>Der hier abgedruckte Monolog ist bei der internationalen Theaterbiennale 2005 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden aufgef\u00fchrt worden. Es ist der dritte Akt eines Kammerspiels &#8222;Tri k\u00ebng\u00eb dashurie&#8220; (&#8222;Drei Liebeslieder&#8220;), das man als Szenen einer Liebe bezeichen k\u00f6nnte: Verliebtsein und Tr\u00e4ume im ersten, Desillusionierung und Krise im zweiten, Katharsis im dritten Akt. Der lyrisch intonierte, poetisch expressive Text verzichtet auf die genre\u00fcbliche Darstellung von Partner-Gez\u00e4nk. Da er ohne die Einbeziehung und Darstellung nationaler Themen und Motive auskommt, ist er in besonderem Ma\u00df &#8222;europaf\u00e4hig&#8220; und f\u00fcr Leser und Zuschauer au\u00dferhalb des albanischen Sprachraums interessant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>DRITTER AKT<br \/>\nODER<br \/>\nDER LETZTE SAMSTAG<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><em>Auf der B\u00fchne steht ein geschlossenes Klavier. Der Klavierspieler ist nicht da. Er tritt erst am Ende der Vorstellung auf, nachdem die Lichter ausgegangen sind und er das Nachspiel anstimmt. Neben dem Klavier steht ein Stuhl.<\/em><\/b><\/p>\n<p><em>Der dritte Schauspieler, Adrian, 60 Jahre alt, tritt auf, wie von Sinnen. Er ist allein und scheint gerade ein Verbrechen begangen zu haben. <\/em><\/p>\n<p><strong>ADRIAN<\/strong>: (zu sich selber, mit tragischer Ironie) Ich hab sie umgebracht. Umgebracht. (Pause) Mit diesen H\u00e4nden. Mit diesen besudelten H\u00e4nden. Besudelt von Gleichg\u00fcltigkeit. Wortlos. Schweigend. Ich hab sie mit Trauer bestraft und umgebracht. Sie ist tot. Sie ist weg. Gestorben. Hat gelitten. Gelitten f\u00fcr diese Nacht. F\u00fcr ihre falsche Freiheit. Die Freiheit, die sie in dieser vergatterten Welt gieriger M\u00e4uler genie\u00dfen wollte.<\/p>\n<p>Gelitten hat sie. Die einzige Nacht ihres Lebens, die Nacht des Verrats. Des Verrats an wem? Und wof\u00fcr?!<\/p>\n<p><em>Lange Pause<\/em><\/p>\n<p>Ach! Ich hab sie umgebracht&#8230; ich Idiot&#8230;! Ich Rindvieh! Ach&#8230; wegen Verrat. Der Verrat, des Verrats, dem Verrat, den Verrat. Was f\u00fcr ein Wort &#8222;V e r &#8211; r r &#8211; r a t! Ein bl\u00f6des Wort, schrecklich, voller Konsonanten. Mit einem Labio-Dental und mit Alveolaren, h\u00e4\u00dflich, unendlich h\u00e4\u00dfliche Konsonanten, verzerrt, sinnlos, leblos. (<em>Er spricht die Konsonanten nacheinander aus<\/em>) &#8222;v&#8220;, &#8222;r&#8220;, &#8222;r&#8220;, &#8222;t&#8220;. Dieses Wort kann dich gefangennehmen, macht dich verr\u00fcckt, du drehst durch, wirst krank&#8230;. Und ich hab sie umgebracht&#8230; sie ist weg&#8230; nicht mehr da &#8230; weggewischt&#8230; wie Nebel&#8230;<\/p>\n<p><em>Lange Pause. Er ist ganz aufgel\u00f6st, sieht aus wie einer, dem man alles genommen hat.<\/em><\/p>\n<p>(Fragt sich selber) Wo ist sie? Umgebracht hab ich sie?!!! Wie?!!! Ich hab doch nie Waffen gehabt: Messer&#8230; Pistolen&#8230; Brechstangen&#8230; weder Gift&#8230; oder Strick&#8230; noch Schn\u00fcre&#8230; keine Rasierklinge zum Adernaufschneiden, kein&#8230; hab nur mich selbst gehabt&#8230; Das hier&#8230; (<em>Er deutet auf sich selbst<\/em>) Ich war voller &#8222;das hier&#8220;. Voller &#8218;ich selbst&#8217;&#8230; Obwohl ich feige bin&#8230; hab ich sie umgebracht&#8230; Ja, umgebracht&#8230; mit meinem gew\u00f6hnlichen Zeug &#8230; dem allergew\u00f6hnlichsten&#8230; Ich hab ihren Kopf an meine eiskalte Mauer knallen lassen, die ich immer und jederzeit vor mir hertrage.<\/p>\n<p>Weil&#8230; weil&#8230; weil ich tot war. Ohne Leben.<\/p>\n<p>Ich war tot gewesen, als sie kam, als sie von dieser Nacht zur\u00fcckkam. Ich lag im Bett meiner Kindheit und hatte gerade begriffen, da\u00df es zu klein war. Dann hab ich, glaub ich, \u00fcber mich nachgedacht. Hab mir selbst leid getan, mehr leid als die ganze Welt, als alle Natur. Ganz versunken war ich, in der Vergangenheit, und hab nicht gemerkt, wie sie die T\u00fcr aufmacht, sich auszieht, ihre Beine auf meine legt. Ich hab ihren Atem gesp\u00fcrt, sein Parfum, und dann die Hand, die an mir nach unten gleitet. Ich hatte keine Kraft, ihr etwas zu sagen. Ich habe gewartet, da\u00df sie es selber sagt. Ich hab gewartet&#8230; Und dann, als ich seinen Geruch in der Nase und in der Lunge hatte, hab ich ihr ganz sanft gesagt:<\/p>\n<p>&#8222;Du bist ein Boh\u00e9mien&#8220;, sag ich, &#8222;immer hat dir das Ausrei\u00dfen gefallen, Reisen, die Stra\u00dfen, lange N\u00e4chte weit fort von zu Haus, von dem Haus, das wir nicht gebaut haben, dem Haus, das wir nie hatten.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Auch du bist ein Boh\u00e9mien, auch dir hat das Ausrei\u00dfen gefallen&#8220;, sagt sie mir. &#8222;Eben wie einer, der nicht da ist. Da, wo ich bin.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das Ausrei\u00dfen, mir?!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das Ausrei\u00dfen vor dir selber, deshalb bist du hier auch gestorben, gestorben in deiner Einsamkeit, in deinem t\u00f6dlichen Schweigen. Du hast es nie verstanden, zu genie\u00dfen, dein K\u00f6rper war dir fremd&#8220;, f\u00e4hrt sie fort.<\/p>\n<p>&#8222;Und was hat gefehlt, da\u00df du fortgegangen bist? Was hat gefehlt? Das hab ich nie verstanden. Brennholz und Rinderfilets waren da. Was hat gefehlt? Zwei-drei einsame St\u00fchle auf dem hei\u00dfen Sand, die verlorene Kindersandale hat das Meer ans Ufer gesp\u00fclt, auch die Muscheln einer fr\u00fcheren Nacht. Wie angewurzelt habe ich gewartet, da\u00df du gehst. Weg von meinem Schatten. Was hat gefehlt? Ein Schiff vielleicht&#8230; Das Schiff mit dem Anker im tiefen Blau&#8230;?&#8220;<\/p>\n<p>Ich hatte keine Kraft, ihr zu widersprechen. Ich war kaputt. Ich konnte nicht einmal den Kopf sch\u00fctteln. Aber&#8230; es ist wahr. Es ist wahr. Man lernt auch noch, wenn man schon tot ist, wenn sie einem die Hand zwischen die Beine stecken, wenn einen der Zorn umgehauen hat, wenn die Augen tr\u00fcb geworden sind und man die eigene Haut nicht mehr erkennt.<\/p>\n<p>&#8222;Aber wie ist es passiert?&#8220; Wie ist es passiert? Ich wei\u00df nicht, woher diese Stimme kam, diese indirekte Frage, pl\u00f6tzlich, verstohlen. Was wollten die von mir. Wer fragt mich&#8230; wer interessiert sich daf\u00fcr. (Ironisch) &#8222;Ach ja, wie ist es denn passiert?&#8220;<\/p>\n<p>Alles wegen der Einsamkeit. Es ist passiert, als ich zum ersten Mal in meinem Leben daranging, zu schwimmen, weil ich mich zum ersten Mal im Leben sicher f\u00fchlte. Kurz davor hatte ich Schwimmen gelernt. Sie war es, die es mir beibrachte, mir beibrachte, im Tiefen zu schwimmen.<\/p>\n<p>&#8222;Du sp\u00fcrst das Wasser&#8220;, hatte sie gesagt, &#8222;Du sp\u00fcrst es, wie es von allen Seiten an dich herankommt, an dich heranklatscht.&#8220;<\/p>\n<p>Und so war ich wohl weit hinaus geschwommen, weit hinaus und weit fort vom Ufer. Als ich mich umwandte, verstand ich zum ersten Mal, da\u00df ich mich so weit hinausgewagt hatte, da\u00df ich keine M\u00f6glichkeit mehr hatte, zur\u00fcckzukehren. Ich hatte keine Kraft. Sie und die anderen dort am Ufer sahen klein aus, sehr klein. Wie klein mag ich ihnen erst erschienen sein, vielleicht wie ein Nichts. Das einzige, wozu ich Kraft hatte, war, die dort zu hassen&#8230; zu hassen&#8230; zu hassen nicht gerade, sondern etwas mit einer Beimischung von Geringsch\u00e4tzung. Vielleicht&#8230;. vielleicht aber&#8230; war ich auch gerettet.<\/p>\n<p>Dann hab ich mich \u00fcber sie aufgeregt, da\u00df sie mich so weit hinaus schwimmen gelassen hatte. Wenn sie mir wenigstens &#8222;Vorsicht&#8220; zugerufen h\u00e4tte. Das einzige aber, das ich schlie\u00dflich begriff, war, da\u00df ich schlichtweg keine Zeit mehr hatte, mich darauf einzulassen. Nun, das ist alles; und dann hat sie die T\u00fcr ge\u00f6ffnet und hat sich in mein Kinderbett geschlichen, in dem meine Mutter mich gewiegt hatte.<\/p>\n<p><em>Als spr\u00e4che er mit seiner Frau, als w\u00e4re sie da. Er wendet sich an sie, die nicht da ist.<\/em><\/p>\n<p>Wei\u00dft du?! Dann erschien vor meinem Blick eine hohe Br\u00fccke, ein formvollendeter Bogen, sehr hoch, ganz aus Glas, aus wei\u00dfem Kristall, der in der Mitte, am h\u00f6chsten Punkt, immer schmaler wurde.<\/p>\n<p><em>Wiederum so, als w\u00e4re seine Frau da<\/em><\/p>\n<p>Du wei\u00dft, da\u00df mir vor der H\u00f6he immer gegraut hat. Vor der H\u00f6he und vor Schlangen. Nicht wahr? Also beschlo\u00df ich, keine Rettung anzunehmen, auch nicht als allerletzte M\u00f6glichkeit, und mich in Hoffnungslosigkeit zu verbarrikadieren.<\/p>\n<p>Ich habe nie die Rettung durch andere akzeptiert, Mitleid auch nicht. Auch nicht als letzte Rettung. Das kam mir vor wie Versklavung. Hab ich nicht akzeptiert&#8230; auch von dir nicht&#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Du liegst falsch&#8220;, sagte ich dir in jener Nacht. Jener ersten Nacht, als du zur\u00fcckkamst. Jener letzten Nacht. &#8222;Wandere nur weiter, ich kann hier liegen, ohne gewiegt zu werden, ich bin jetzt erwachsen, so sehr erwachsen, da\u00df ich auch schon gestorben bin. Au\u00dferdem: In dieser Welt, das hei\u00dft in meiner Welt jetzt, existieren alle auf ihre eigene Rechnung. Das ist der einzige Ort, an dem man auf eigene Rechnung leben kann.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Aber&#8220;, sagtest du, &#8222;aber ich hab nicht gewollt, da\u00df du so weit gehst, doch der Blick wurde mir \u00fcbel verstellt von einer Stimme, die von weit her kam, aus meiner Vergangenheit, von der ich dachte, ich h\u00e4tte sie vergessen.&#8220;<\/p>\n<p>Und dann hast du dich nicht mehr allein gef\u00fchlt. So, wie du dich am Anfang gef\u00fchlt hast, als wir einander kennenlernten. Du erinnerst dich doch&#8230; du warst sch\u00fcchtern, damals&#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Das ist vorbei. Es hat auch sein Gutes gehabt. Na ja&#8230; mein R\u00fccken, der st\u00e4ndig wehtut, st\u00f6rt mich nicht mehr, der ist so unwichtig wie nur etwas, ich merke gar nicht, da\u00df ich ihn habe, und auch alles andere, was mich ein Leben lang heimgesucht hat, macht mir nicht mehr zu schaffen. Ich bin gerettet.&#8220;<\/p>\n<p>Nur geraucht hab ich damals viel, ich hab allein herumgesessen und hab die ganze Welt geha\u00dft, hab mich gegen alle schlecht aufgef\u00fchrt, hab nicht geredet, hab nur ged\u00f6st, nur das hab ich gemacht und keinen Deut mehr. Das hei\u00dft, irgendwie hab ich mich auf dich eingelassen, auf meine Art halt.<\/p>\n<p>Den ganzen Tag hab ich die Kl\u00e4nge der Einsamkeit geh\u00f6rt, die mir tief in der Brust herumwirbelten. Blo\u00df der Kellner hat mich traurig betrachtet, als er den Kaffee zum Leichenschmaus f\u00fcr die an der Schwelle meiner Stimme stehengebliebene Zeit auftrug&#8230; Und dann ist nichts geschehen. Er hat den Kaffee aufgetragen, ich das pflichtschuldige L\u00e4cheln. Dir ist das nicht in den Sinn gekommen&#8230; Ein Lastwagen voller Erinnerungen rollte mir durch den Kopf und lud zu meinen F\u00fc\u00dfen einen Haufen finsterer Vermutungen ab. Ich vermochte nicht, darauf zu treten, weil ich barfu\u00df war und Angst hatte, deine Liebesschreie zu \u00fcberschreien. Und dann ist nichts geschehen. Er hat den n\u00e4chsten Kaffee aufgetragen und ich das n\u00e4chste L\u00e4cheln. Dir ist das nicht in den Sinn gekommen&#8230; Ich wollte mich r\u00fchren, dorthin laufen, losrennen, aber ein Haufen Schwermut hat mir den Weg versperrt, den Weg zu mir selbst, den Weg nach dort, wo ich gewesen war. Die Melodien setzten wieder ein. Die Erinnerungen sind Vergangenheit, unwiederbringlich, und der Lastwagen fuhr mir \u00fcber den R\u00fccken&#8230; lie\u00df den Kellner den n\u00e4chsten Kaffee nicht mehr bringen, den zum Leichenschmaus f\u00fcr die Einsamkeit&#8230;<\/p>\n<p>Macht dich das stolz? Wenn nicht, dann mu\u00dft du leben. (<em>Sein Kopf sackt nach unten<\/em>)<\/p>\n<p>(er sieht auf die Uhr) O je&#8230; (ironisch) Zeit f\u00fcr die Medikamente. Hochdruck, Verkalkung, Herzrasen, Herzrhythmusst\u00f6rungen, und f\u00fcr alles &#8211; Arzneien. Und warum? Warum?!!! Wer wei\u00df, warum. Soll halt so sein. Weil&#8230; weil&#8230; sich alle in die Hosen machen, bevor sie sterben. St\u00fcrzen sich auf Heilmittel und dann gehen sie ein&#8230; wie die Schweine&#8230; Es gibt sogar solche, die, bevor sie abtreten, stottern und Botschaften hinterlassen (lacht lauthals). Botschaften an die anderen. Das ist so, als w\u00fcrdest du zu Lebzeiten Sentenzen schreiben, weise Spr\u00fcche, und sie den anderen wie Karamelbonbons hinwerfen. Denkt doch mal! Sterben wie auf einer Hochzeit&#8230; Eine Totenfeier, bei der du, anstatt den Hochzeitsg\u00e4sten Karamelbonbons hinzuwerfen, denen, die gekommen sind, dich zu begraben, weise Spr\u00fcche vorbrockst&#8230; Hej! Spitze!<\/p>\n<p><em>Lange Pause. T\u00f6dliches Schweigen&#8230; <\/em><\/p>\n<p>Ich erinnere mich. Ich erinnere mich, wie wir stundenlang vor dem Fernseher hockten und ihre Lieblingssendungen anschauten&#8230; Dokumentarfilme, die mit wilden Tieren in den W\u00e4ldern in Afrika oder am Amazonas. Sie hat sich dabei vergn\u00fcgt, damals, obwohl sie nicht alles verstanden hat. Ich habe auch nicht alles verstanden. Aber ich bin dabeigeblieben. Wir haben es uns zusammen angeschaut.<\/p>\n<p><em>Wieder zu seiner Frau, als w\u00e4re sie da.<\/em><\/p>\n<p>Erinnerst du dich&#8230;? Erinnerst du dich&#8230;? Der einsame B\u00fcffel. Der hat sich von der Herde gel\u00f6st, der davonst\u00fcrmenden Herde, und steht da, bis ihn die L\u00f6wen zerfetzen? Wir wu\u00dften nicht&#8230; wir begriffen damals nicht&#8230; wir verstanden nicht, warum er nicht mit den anderen weglief, um seine Haut zu retten, sich zu retten. Haben es nicht verstanden&#8230;. aber jetzt, ja&#8230; jetzt schon&#8230; jetzt hat es bei mir geklickt. Ich sp\u00fcre es. Er war alt&#8230; m\u00fcde&#8230; fix und fertig&#8230; Er hatte sein Leben damit zugebracht, wegzurennen, um sich vor den L\u00f6wen zu retten. Und zu guter Letzt hat er sich entschieden, zu sterben&#8230; zu sterben, ohne zu rennen, so im&#8230; im Stehen&#8230; ruhig und schweigend.<\/p>\n<p>Na also, das w\u00e4r&#8217;s!<\/p>\n<p><em>Die Lichter gehen aus. Im Dunkeln ist der Klavierspieler aufgetreten, wieder wie im ersten Akt mit der Maske vor dem Gesicht, und setzt mit dem Nachspiel des Konzertes ein.<\/em><\/p>\n<p>&#8212; <em>Aus dem Albanischen \u00fcbersetzt von <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albanische Literatur Auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Arshi Pipa | Brikena Smajli | Frederik Rreshpja | Gazmend Krasniqi | Ledia Dushi | Martin Camaj | Primo Shllaku | Ridvan Dibra | Stefan \u00c7apaliku | Sokol Zekaj Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Stefan \u00c7apaliku (1965) Stefan \u00c7apaliku, geb. 1965 in Shkodra, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":493,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-60","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-literatur"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":498,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60\/revisions\/498"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/493"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}