{"id":38,"date":"2014-11-14T09:53:53","date_gmt":"2014-11-14T08:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=38"},"modified":"2020-09-27T16:14:51","modified_gmt":"2020-09-27T14:14:51","slug":"frederik-rreshpja-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shkoder.net\/de\/frederik-rreshpja-auf-deutsch\/","title":{"rendered":"Frederik Rreshpja auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p><i>Albanische Literatur<\/i><\/p>\n<p><center><b>Auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=34\">Arshi Pipa<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=27\">Brikena Smajli<\/a> | <b>Frederik Rreshpja<\/b> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=41\">Gazmend Krasniqi<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=43\">Ledia Dushi<\/a><br \/>\n| <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=46\">Martin Camaj<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=49\">Primo Shllaku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=52\">Ridvan Dibra<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=60\">Stefan \u00c7apaliku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=29\">Sokol Zekaj<\/a><\/center><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/em><\/p>\n<h3>Niemand soll sich um mein Schicksal gr\u00e4men<br \/>\nDer Lyriker, Erz\u00e4hler und Essayist <strong>Frederik Rreshpja<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/shkoder.net\/images\/shkodra\/rreshpja.jpg\" alt=\"Frederik Rreshpja\" width=\"200\" height=\"267\" align=\"right\" border=\"0\" hspace=\"10\" \/> <strong>Frederik Rreshpja<\/strong> (oder Reshpja, die Schreibweise schwankt), 1941 oder 1940 (die Angaben schwanken) in Shkod\u00ebr geboren, ist eine lebende Legende. Albanische Lyrikkenner geraten bei der Nennung seines Namens ins Schw\u00e4rmen. Im \u00f6ffentlichen Leben und in der Literaturszene Albaniens ist er nicht pr\u00e4sent. Seine Lyrikb\u00e4nde sind vergriffen. Die albanische Literaturkritik, soweit vorhanden, nimmt nicht mehr Notiz von ihm. \u00dcber sein Leben ist wenig zu erfahren; Hasan Hasanis &#8222;Leksikoni i shkrimtar\u00ebve shqiptar\u00eb 1501-2001&#8220; (Prishtin\u00eb, 2003) nennt sein Geburtsjahr, den Schul- und Studienort sowie die Erscheinungsjahre seiner B\u00fccher und verschweigt, da\u00df Frederik Rreshpja im produktivsten Lebensalter eines Schriftstellers, zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, als politischer H\u00e4ftling 17 Jahre lang eingesperrt war, was wir erst aus Robert Elsies &#8222;Histori e Let\u00ebrsis\u00eb Shqiptare&#8220; (Tiran\u00eb &#8211; Pej\u00eb, 2003) erfahren. Ein Liebling der Verleger und \u00dcbersetzer ist Rreshpja auch nicht. Viele seiner Werke sind dem Vernehmen nach nicht publiziert und fristen ihr Dasein in Plastikt\u00fcten, die der Autor in Hotels und bei Freunden deponiert hat. Immerhin ist er in Alexandre Zotos&#8216; &#8222;Anthologie de la po\u00e9sie albanaise&#8220; (Chamb\u00e9ry, 1998) und in Ali Alius &#8222;Antologji e poezis\u00eb shqipe.<\/p>\n<p>Gjysm\u00ebshekulli i art\u00eb&#8220; (Tetov\u00eb, 2000) mit einigen wenigen Gedichten vertreten und beschlie\u00dft Gazmend Krasniqis hervorragend gelungenen Anthologieversuch &#8222;Poezi. Sprov\u00eb antologjike&#8220; (2003). Frederik Rreshpja zu begegnen ist fast nicht m\u00f6glich, da er seit l\u00e4ngerem keinen festen Wohnsitz mehr hat.<\/p>\n<p>Einem Interview, das er 1992 der Zeitschrift &#8222;Z\u00ebri i Rinis\u00eb&#8220; gab, entnehmen wir seine \u00c4u\u00dferung: &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob noch irgendetwas auf der Welt geblieben ist, was mich erfreuen kann. Alles, was ich geliebt habe, habe ich verloren. Wenn ich traurig bin, schreibe ich. Also schreibe ich viel.&#8220; Damals k\u00fcndigte er an, er wolle eine unabh\u00e4ngige Zeitung f\u00fcr Intellektuelle herausbringen, \u00fcber Kultur und Kunst, abseits der Politik, und er wolle auch B\u00fccher verlegen.<\/p>\n<p>Was danach geschah, erf\u00e4hrt man aus einem Artikel des Arch\u00e4ologen und Lyrikers Moikom Zeqo in der Zeitung &#8222;Koha Jon\u00eb&#8220; vom 15. Dezember 2003: Frederik Rreshpja arbeitete und schrieb als Chefredakteur der Zeitung &#8222;Ora&#8220;. Er erwarb eine Druckerei, gr\u00fcndete einen Verlag &#8222;Evropa&#8220;, gab ebenso aufsehenerregende wie kurzlebige Zeitungen und Zeitschriften heraus, wurde reich, konnte mit dem vielen Geld nicht umgehen und verlor den Reichtum schnell wieder. Wieder einmal hatte er (fast) alles verloren. Er begann, ein unstetes Leben zu f\u00fchren, das seiner Gesundheit zunehmend zusetzte. 2001 erlitt er eine Gehirnblutung, die ihn fast das Leben gekostet h\u00e4tte. Er hatte nun keine feste Bleibe mehr. Oft stand er ohne einen einzigen Lek da. Moikom Zeqo und ein anderer Schriftstellerfreund brachten Rreshpja in einem ruhigen, von Gr\u00fcn umgebenen privaten Altersheim unter. Rreshpja erholte sich, schrieb und schrieb &#8211; und hielt die Vereinsamung nicht l\u00e4nger als sechs Monate aus, lie\u00df sich zu seiner Familie nach Shkod\u00ebr bringen, schrieb Gedichte und ver\u00f6ffentlichte sie in Periodika, bis es ihn auch dort nicht mehr hielt und er wieder nach Tirana ging. Er zog von Hotel zu Hotel, warf sein weniges Geld zum Fenster hinaus und verarmte zusehends.<\/p>\n<p>Moikom Zeqo wurde einige Tage vor Erscheinen des zitierten Artikels angerufen, Frederik Rreshpja sei schwerkrank in einem Lokal zusammengebrochen. Zeqo fand ihn dort nicht mehr vor.<\/p>\n<p>Eine mir befreundete Kulturjournalistin, Admirina Pe\u00e7i, machte sich auf die Suche und st\u00f6berte Rreshpja nach l\u00e4ngerer Suche in einem Lokal auf. Er war bei einem Freund untergekommen. Zuvor hatte er sich \u00fcberzeugen lassen, wieder ins Altenheim zu gehen, und hatte nach wenigen Tagen wiederum das Weite gesucht. Warum? &#8222;Ich bin es gewohnt, wegzulaufen &#8211; aus dem Gef\u00e4ngnis, vor Kummer und Langeweile, vor unerw\u00fcnschten Menschen, aus dem Altenheim, vor sch\u00f6nen M\u00e4dchen wie Da Vincis Mona Lisa&#8220;, sagte er Admirina Pe\u00e7i.<\/p>\n<p>Bei seinem Freund hielt es Frederik Rreshpja auch nur kurze Zeit aus, dann war er schon wieder auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte Frederik Rreshpja als einen Lebensk\u00fcnstler bezeichnen, der an der Kunst des Lebens und Fu\u00dffassens in der trivialen und grotesken Realit\u00e4t des Alltags scheitert, die Kunst des Schreibens dagegen beherrscht wie wenige. Er kommt mit einem erstaunlich kleinen Inventar von Motiven und Schl\u00fcsselw\u00f6rtern aus. Vogel, Jahreszeit, Mond, Meer, Regen, Trauer, Herz, Ufer, Sand, Himmel &#8230; Diese und einige wenige andere lexikalische S\u00e4ulen seiner dichterischen Welt kombiniert er zu immer wieder neuen, frischen poetischen Bildern von gro\u00dfer Intensit\u00e4t und Sch\u00f6nheit. Sprachliche F\u00fcgungen und poetische Bilder scheinen ihm zuzufliegen wie Mozart Harmonien und melodische Wendungen zugeflogen sind. Gewollte und gek\u00fcnstelte Metaphern und Bilder wird man bei ihm, im Gegensatz zu so manchem anderen Lyriker, vergeblich suchen. Bei aller Originalit\u00e4t wirken seine Gedichte stets wie ein nat\u00fcrlicher und stringenter Ausdruck seiner seelischen Befindlichkeit.<\/p>\n<p>Seine Gedichte kennen keinen Ballast, keine Worth\u00fclsen. Jedes Textelement hat seine Funktion, und doch wirken die Texte nicht gedrechselt oder leblos, sondern sind erf\u00fcllt von Leben und W\u00e4rme. So unstet und von Ruhelosigkeit umtrieben sich das \u00e4u\u00dfere Leben Frederik Rreshpjas auch darstellt &#8211; seine Gedichte werden von einem ruhigen, gleichm\u00e4\u00dfigen Atem getragen. Diese Ruhe wirkt keineswegs wie ein k\u00fcnstlicher Deckel auf einem brodelnden Vulkan.<\/p>\n<p>Frederik Rreshpja ist kein Dichter hymnischen Jubels oder gar nationaler Exaltation. Seine Themen sind Verlust, Schmerz, Einsamkeit, gegossen in Verse von anr\u00fchrender Sch\u00f6nheit und Individualit\u00e4t. Fern aller Topoi drehleierartig wiederholter und wiedergek\u00e4uter Albanozentrik ist Frederik Rreshpjas Lyrik hochrangige Literatur europ\u00e4ischen Kalibers.<\/p>\n<p><em>2.3.2004<\/em>, <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/p>\n<p><em>Die hier \u00fcbersetzten Gedichte Rreshpjas sind seinem Band &#8222;Erdhi ora t\u00eb vdes p\u00ebrs\u00ebri&#8220; (1994) entnommen, den mir Herr Dr. Moikom Zeqo freundlicherweise in Fotokopie geschickt hat, wof\u00fcr ich ihm auch an dieser Stelle danken m\u00f6chte.<\/em><\/p>\n<h3>FREDERIK RRESHPJA<\/h3>\n<blockquote><p><b>DER ADLER<\/b><\/p>\n<p>Ein Flugzeug saust irgendwo und der erhabene Vogel<br \/>\nSieht ver\u00e4chtlich auf die Seele aus hartem Aluminium<br \/>\nDie da st\u00f6hnt unter einem metallenen Schmerz.<br \/>\nNur ruhig, du altert\u00fcmlicher Flieger der Rhapsodien!<br \/>\nMenschliche Trennung ist es, die da heult im Himmel,<br \/>\nVerfolgt vom Reiterheer der Regenfluten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>MEER<\/strong><\/p>\n<p>Der Mond zieht durch Nebelschwaden<br \/>\nWie der Kahn meines Schmerzes.<br \/>\nMein Traum von blauen Inseln<br \/>\nDurch Schmerz, durch Mond hindurch!<br \/>\nIch mei\u00dfelte meinen Kummer ins Meeresufer.<br \/>\nWellen kommen und werden zu Tr\u00e4nen<br \/>\nWie die Tr\u00e4nen der Mythen an meinem Standbild<br \/>\nUnd kein Tod sp\u00fclt mich fort.<br \/>\nDer Untergang wie ein M\u00f6rder messerbewehrt<br \/>\nDurch Schmerz, durch Mond hindurch.<br \/>\nMein ganzes Leben &#8211; wie diese Wasser unter Messern,<br \/>\nUnd kein Tod sp\u00fclt mich fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>KLEINER VOGEL<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt wirst du am Himmel fliegen.<br \/>\nDoch noch ruht dein Flug in meinen H\u00e4nden.<br \/>\nVergi\u00df meine H\u00e4nde nicht!<br \/>\nIn solchem Menschen-Nest wirst du dich<br \/>\nnie mehr bergen.<br \/>\nLos, der Himmel erwartet dich!<br \/>\nIch habe vieles gehabt und habe es mir<br \/>\naus den H\u00e4nden gleiten lassen.<br \/>\nIch habe viel geliebt und manche Liebe ist mir<br \/>\naus der Hand geglitten &#8230;<br \/>\nAch, nun ist auch die letzte Freude davongeflogen.<br \/>\nIhr Schatten wurde Mond und fiel ins Meer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DER GARTEN<\/strong><\/p>\n<p>Zerbrochene L\u00f6wen der Kindheit<br \/>\nSchl\u00fcrfen Wasser am alten Brunnen;<br \/>\n\u00dcber Rosenfeuern w\u00e4rmt Saadi sich die H\u00e4nde<br \/>\nMit seinem Turban aus Tau.<br \/>\nAus Mythen kommen oft Satyre gesprungen<br \/>\nUnd \u00f6ffnen die Schleusen der Schatten.<br \/>\nDer Jasmin schaut auf die Pfade der Nacht<br \/>\nUnd Licht flie\u00dft aus seinen Fingern.<br \/>\nVor lauter eigener Sch\u00f6nheit verliebt<br \/>\nHebt der Narzi\u00df die Schultern aus Knospen empor;<br \/>\nIch sp\u00fcre auf der Stirn die Mei\u00dfel des Fr\u00fchlings,<br \/>\nEr schnitzt mir Augen aus Gras.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>MONDREGEN<\/strong><\/p>\n<p>Wie ein Harlekin, der losgeht<br \/>\nDen vergessenen Garten der Kindheit zu durchstreifen<br \/>\nTritt der bek\u00fcmmerte Mond in den Wolken<br \/>\nAuf die Zweige der Regeng\u00fcsse.<br \/>\nDer einsame See am Ufer der Nacht<br \/>\nWird unruhig auf den Armen des Windes<br \/>\nUnd in der Tiefe gie\u00dft die Sirene der blauen Woge<br \/>\nTr\u00e4nen aufs schlaftrunkene Antlitz der Legende.<br \/>\nSterne auf dem Asphalt wie gebrochener Untergang<br \/>\nUnd Pappeln wie schwarze M\u00f6nche.<br \/>\nHinter B\u00e4umen versteckt lauscht irgendwo<br \/>\nder alte Totschl\u00e4ger: die Trauer.<br \/>\nMag sein, da\u00df mich das Messer der Trauer<br \/>\nirgendwo zu Boden strecken wird.<br \/>\nVersteckt hinter gebrochenem Untergang<br \/>\nVersteckt unter Fluten von Mondregen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>MEIN HERZ!<\/strong><\/p>\n<p>In keiner Hand der Welt finde ich Schlaf.<br \/>\nIch hatte mich daran gew\u00f6hnt: mein Kopf in deinen H\u00e4nden.<br \/>\nDu hast gewu\u00dft da\u00df an mir etwas Meerhaftes ist;<br \/>\nVon Ufer zu Ufer und ich finde keinen Schlaf.<br \/>\nHinlegen m\u00f6chte ich mich und sterben.<br \/>\nDoch du kommst ziehst mich aus dem Schlick:<br \/>\nGanze Berge trennen uns nicht<br \/>\nWie sollen uns zwei Handvoll Erde trennen?<br \/>\nIch war daran gewohnt: mein Kopf in deinen H\u00e4nden;<br \/>\nJetzt finden auch die Ufer keinen Schlaf mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SHIROKA IM WINTER<\/strong><\/p>\n<p>Keine V\u00f6gel mehr. Die Fl\u00fcge gestrichen.<br \/>\nVon Regen durchtr\u00e4nkt alles ringsum.<br \/>\nDas Ufer sinniert zu F\u00fc\u00dfen der Wasserfluten<br \/>\nEs tr\u00e4umt vom vergangenen Sommer.<br \/>\nIm Sand des Vergessens sammle ich<br \/>\nDie Keramik deines Bildnisses.<br \/>\nWie kurz war dieser Sommer, mein Gott!<br \/>\nEine Handvoll Sand und eine Handvoll Himmel.<br \/>\nIm ganzen Kalender des Sommers nur ein Samstag<br \/>\nAm ganzen Samstag nur ein Ku\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>BLEIB HEUTE BEI MIR<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Flu\u00df malt der Mond<br \/>\nEine Br\u00fccke zu Sterntr\u00e4umen;<br \/>\nDie graue Wolke gleicht vergessenem Sehnen<br \/>\nUnd legt den Kopf auf die H\u00e4nde der W\u00e4lder.<br \/>\nDu kamst auf dem Weg des Mondes<br \/>\nSelbst die Schwelle der Pforte<br \/>\nL\u00e4\u00dft Knospen aufsprie\u00dfen.<br \/>\nBleib heute bei mir<br \/>\nBis die Rosen toter B\u00e4ume bl\u00fchen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PR\u00c9LUDE<\/strong><\/p>\n<p>Abendluft, h\u00fcll mich ein<br \/>\nMir schl\u00e4gt die Stunde, wieder zu sterben.<br \/>\nWenn meine Augen sich schlie\u00dfen, wird es kein Meer geben<br \/>\nF\u00fcr die K\u00e4hne der Tr\u00e4nen.<br \/>\nIch gehe fort, eingesperrte Regenschauer hinter mir.<br \/>\nDoch ich komme wieder. Zu jeder Jahreszeit, die ich liebe.<br \/>\nDie Tr\u00fcbsal der Welt bin ich gewesen.<br \/>\nAbendluft, h\u00fcll mich ein<br \/>\nMir schl\u00e4gt die Stunde, wieder zu sterben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>TORSO<\/strong><\/p>\n<p>Nur heraus aus dem Reich des Steines!<br \/>\nSo lange schon klopfe ich an Marmor,<br \/>\nEintausend Jahre und zweitausend Jahre.<br \/>\nWir haben einander gek\u00fc\u00dft in alten Iliaden<br \/>\nAls die Homere die Leier schlugen.<br \/>\nDu Mond des Regens,<br \/>\nMach eine Ilias f\u00fcr mich<br \/>\nWenn auch das letzte Troja f\u00e4llt!<br \/>\nEingeschlossen in Stein bist du, mein Herz<br \/>\nEintausend Jahre und zweitausend Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>AUGENBLICK<\/strong><\/p>\n<p>Absurder Himmel. Mein Traum, ich w\u00fcrde<br \/>\neines Tages fliegen!<br \/>\nGelegentlich wird es M\u00e4rz<br \/>\nDoch die Einsamkeit ist winterhaft.<br \/>\nDeine Augen betrachten mich jenseits<br \/>\ndes Schneehorizontes.<br \/>\nAm Brunnen schlafen die Jahreszeiten, es tanzt<br \/>\nder Marmor der Legenden.<br \/>\nHeut abend wirst du Stein,<br \/>\nLieben wirst du nicht mehr!<br \/>\nAbsurder Himmel, Spielzeug der Windkinder!<br \/>\nUnd ich hab gedacht, eines Tages w\u00fcrd ich fliegen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>FALSCHE PROPHETEN<\/strong><\/p>\n<p>Und wir waren doch schrecklich verfolgt.<br \/>\nUnd biblische Gestalten sind wir, haben einen<br \/>\ntadellosen Lebenslauf.<br \/>\nIhr Armseligen die ihr jedem Gekreuzigten glaubtet!<br \/>\nWir allein k\u00f6nnen euch ins Paradies bringen.<br \/>\nUnd wenn ihr&#8217;s uns glaubt, dann k\u00f6nnen wir auch<br \/>\nMa\u00dfnahmen ergreifen.<br \/>\nVerdammte Ignoranten!<br \/>\nAmen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>WENN DIE MONDE STERBEN<\/strong><\/p>\n<p>Das kleine Gespenst der M\u00e4rchen<br \/>\nStreut Sterne auf den Strand der Schatten;<br \/>\nDurchs Fenster des Laubs sah ich<br \/>\nDen Mond, erloschen im Regen.<br \/>\nSterben die Monde, sterben die Sterne<br \/>\nDann bin ich wie einst ein mitleidvolles Kind.<br \/>\nKann sein da\u00df ich weine, einsam<br \/>\n\u00dcberm Licht der Mondh\u00e4nde.<br \/>\nKann sein da\u00df ich auch um die V\u00f6gel weine<br \/>\nAnklopfe an die Ruinen ihrer Nester<br \/>\nDanach erkl\u00e4re ich den V\u00f6geln<br \/>\nDa\u00df auch ich nestlos bin in dieser Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SCHMERZ<\/strong><\/p>\n<p>Sehnsucht rankt durch Wurzeln, wird eine Blume.<br \/>\nDu Kirschbaum, von meiner Mutter gepflanzt<br \/>\nDein Bruder bin ich!<br \/>\nIhre H\u00e4nde haben uns beide ger\u00fcttelt!<br \/>\nWachse, wachse mein Sohn!<br \/>\nWachse, wachse du Kirschbaum!<br \/>\nMeine Mutter, von Schulklasse zu Schulklasse:<br \/>\nSohn, die G\u00f6tter haben sich ge\u00e4rgert.<br \/>\nWie gut war es als ihr klein wart<br \/>\nUnd mitsammen zur Mutter Gottes gebetet habt.<br \/>\nDer Wind r\u00fcttelt den Kummer der Blumen<br \/>\nUnd wiegt vielleicht Mutters in die Luft<br \/>\ngetuschten H\u00e4nde.<br \/>\nWachse, wachse, Kirschbaum!<br \/>\nIch werde nicht mehr bl\u00fchen&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DIE S\u00d6HNE DES MEERES<\/strong><\/p>\n<p>Die Meersterne in blauen Gr\u00e4bern<br \/>\nEingeh\u00fcllt von der Nacht der Wasser &#8230;<br \/>\nJetzt bin ich der Sohn der Luft<br \/>\nWie am ersten Tag der Welt,<br \/>\nVerdammt wie in der Bibel.<br \/>\nJetzt bin ich der Sohn des Mondes.<br \/>\nAlle anderen Inseln sind falsch.<br \/>\nNein, es gibt kein Ithaka auf der Welt.<br \/>\nNie wieder werde ich zur\u00fcckkehren<br \/>\nDenn ich traue keinem Ufer mehr!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DIE ZIGEUNER KOMMEN<\/strong><\/p>\n<p>Die Zigeuner kommen mit Trommeln und Mond<br \/>\nSie weinen und sie heulen.<br \/>\nSchnell schnell schlagen sie die Zelte auf<br \/>\nRings um meine Seele aus Wasser.<br \/>\nIch war jung und ich war sch\u00f6n,<br \/>\nIch war feurig im Lieben.<br \/>\nVieles habe ich nun vergessen<br \/>\nVon Mond und Magie&#8230;<br \/>\nDie Zigeuner mit Trommeln, sie heulen<br \/>\nUm Schmerzen ferner W\u00fcsten.<br \/>\nWach sitze ich am Flu\u00dfufer,<br \/>\nLiebesverflucht und mondverflucht.<br \/>\nDer Chor der Rosen vergie\u00dft Tr\u00e4nen<br \/>\nUm Trommeln und den Mond, tr\u00fcbselig.<br \/>\nWie jung war ich einstens und wie sch\u00f6n,<br \/>\nEinst in einem M\u00e4rz, der lang schon verging.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>LASS MICH MIT DIR GEHEN<\/strong><\/p>\n<p>Durchs Tal ziehen Zigeuner, \u00fcber ihre Schultern<br \/>\nBaumeln Trommeln als w\u00e4ren es Leichen<br \/>\nWenn die Geister der Ein\u00f6de<br \/>\nNicht mehr erwachen werden.<br \/>\nAus dem Nest des Regens flog<br \/>\nDas Wolkenlied, Totenklage durch und durch.<br \/>\nLass mich mit dir gehen!<br \/>\nDies ist mein letztes Abendd\u00e4mmern.<br \/>\nIch komme zu dir zum Sterben, verstanden?<br \/>\nSterben mu\u00df ich und dann<br \/>\nMein Blut \u00fcber Rosen sprenkeln<br \/>\nUnter einem Jerusalem-Mond.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SCHICKSAL<\/strong><\/p>\n<p>Um mein Schicksal gr\u00e4me ich mich selber<br \/>\nNiemand soll sich um mein Schicksal gr\u00e4men,<br \/>\nDer Gott des Verlustes folgt meiner Spur<br \/>\nMit Marmorsplittern aus sinnlosen Kriegen.<br \/>\nIch bin ein alter Heide<br \/>\nF\u00fchle mich nicht wohl ohne dieses Unheil<br \/>\nJeder Mensch hat ein Wort auf das er seinen Kopf bettet<br \/>\nIch berge mich in meinem Schmerz.<br \/>\nWas sollte ich mehr m\u00f6gen als den Kampf,<br \/>\nDieses n\u00e4rrische Schicksal folgt mir nach.<br \/>\nWenig habe ich verdient im Leben,<br \/>\nGewaltig waren meine Verluste.<br \/>\nMein Schicksal soll niemanden betr\u00fcben,<br \/>\nDenn mein Schicksal betr\u00fcbt mich selbst;<br \/>\nDer zersplitterte Marmor des Gottes des Verlustes &#8211;<br \/>\nDas wird mein ganzer Ruhm sein!<\/p><\/blockquote>\n<p><em>\u00a9 Frederik Rreshpja<br \/>\n\u00a9 \u00dcbersetzungen <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albanische Literatur Auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Arshi Pipa | Brikena Smajli | Frederik Rreshpja | Gazmend Krasniqi | Ledia Dushi | Martin Camaj | Primo Shllaku | Ridvan Dibra | Stefan \u00c7apaliku | Sokol Zekaj Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Niemand soll sich um mein Schicksal gr\u00e4men Der Lyriker, 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