{"id":34,"date":"2014-11-14T09:43:35","date_gmt":"2014-11-14T08:43:35","guid":{"rendered":"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=34"},"modified":"2020-09-27T16:18:36","modified_gmt":"2020-09-27T14:18:36","slug":"arshi-pipa-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shkoder.net\/de\/arshi-pipa-auf-deutsch\/","title":{"rendered":"Arshi Pipa auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p><i>Albanische Literatur<\/i><\/p>\n<p><center><b>Auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/b><br \/>\n<b>Arshi Pipa<\/b> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=27\">Brikena Smajli<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=38\">Frederik Rreshpja<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=41\">Gazmend Krasniqi<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=43\">Ledia Dushi<\/a><br \/>\n| <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=46\">Martin Camaj<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=49\">Primo Shllaku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=52\">Ridvan Dibra<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=60\">Stefan \u00c7apaliku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=29\">Sokol Zekaj<\/a><\/center>Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/p>\n<h3><strong>ARSHI PIPA (1920-1997)<\/strong><\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/shkoder.net\/images\/shkodra\/arshi_pipa.jpg\" alt=\"Arshi Pipa\" width=\"300\" align=\"right\" border=\"0\" \/> <b>Arshi Pipa, 1920-1997<\/b>; Philosophiestudium in Florenz, Promotion \u00fcber &#8222;Moral und Philosophie bei Bergson&#8220;; unterrichtete am Staatslyzeum Tirana 1941-1946; 1957 Flucht nach Jugoslawien, seit 1958 in den USA; Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Philosophie sowie italienische und franz\u00f6sische Literatur in Berkeley und Minneapolis; zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten (Philosophie, albanische, italienische, franz\u00f6sische Literatur), Rezensionen, Essays und politische Aufs\u00e4tze in den Sprachen, die er sprach: Albanisch, Italienisch, Franz\u00f6sisch, Englisch und Deutsch; Herausgeber wichtiger albanischer Kulturzeitschriften; er war Vorsitzender des traditionsreichen albanischen Kulturvereins &#8222;Vatra&#8220; in Boston; 4 Gedichtb\u00e4nde: Lund\u00ebrtar\u00eb (Seefahrer; 1944), Libri i burgut (Das Gef\u00e4ngnisbuch; 1959), Rusha (1966), Meridiana (1969).<\/p>\n<p>Zusammen mit Martin Camaj Bewahrer der albanischen Kulturtradition, rastloser K\u00e4mpfer f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige albanische Literatur, Hoffnungstr\u00e4ger albanischer Intellektueller und K\u00fcnstler in der Diaspora. Von einer auch nur irgendwie gearteten Anerkennung oder W\u00fcrdigung seines Werkes ist nichts bekannt.<\/p>\n<p>Im kommunistischen Albanien war Arshi Pipa Dissident der ersten Stunde, von 1946 &#8211; 1956 war er zehn Jahre lang politischer Gefangener; er sa\u00df auch in den ber\u00fcchtigsten albanischen Gef\u00e4ngnissen und Zwangsarbeitslagern ein, geh\u00f6rt zu denen, die nur durch \u00e4u\u00dferste Willenskraft und Gottes Hilfe das unmenschlichste aller Greuel der roten Spinne (wie der kosova-albanische Lyriker Ali Podrimja den Kommunismus nannte), die Zwangsstrafarbeit bei der Trockenlegung der S\u00fcmpfe in S\u00fcdalbanien, \u00fcberstanden. \u00dcber diese zehn traumatischen Jahre hat er mit einem poetischen Tagebuch, einem Tagebuch in Gedichtform, Zeugnis abgelegt.<\/p>\n<p><center>von <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/center><\/p>\n<h3>ARSHI PIPA<\/h3>\n<blockquote><p><b>DER KANAL<\/b><\/p>\n<p>Es donnert bei Kor\u00e7a. In Strahlen str\u00f6mt Regen<br \/>\nauf K\u00f6pfe und Liegen von Wachstuch auf den Mauern.<br \/>\nDie Menschen beginnen, sich noch mehr in Decken zu kauern:<br \/>\nein Kn\u00e4uel, in dem sich faulendes Fleisch und Lumpen bewegen.<br \/>\nAbend. Jemand nebenan hat Blut vor dem Munde.<br \/>\nDort dr\u00fcben singt ein Kind verhohlen.<br \/>\nEiner zankt: man hat ihm sein bi\u00dfchen Wasser gestohlen,<br \/>\neinem andern das Brot. Ein W\u00e4chter tritt in die Runde.<br \/>\nPr\u00fcgel und Tritte. Schreien. Die Pfeife trillert.<br \/>\nPause. Matt und ersch\u00f6pft sind alle, sie suchen<br \/>\nRuhe und Schlaf &#8211; wer in dieser Nacht zu schlafen vermag.<br \/>\nWie im Lazarett ein St\u00f6hnen und Fluchen.<br \/>\nAlle erwartet der Kanal, wo Sumpfwasser schillert,<br \/>\nund manche ein einsames Grab am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>DIE ERSTE NACHT<\/b><\/p>\n<p>Eine K\u00fcche, schon l\u00e4ngst nicht mehr benutzt.<br \/>\n\u00dcber dem Sp\u00fclstein mit Kacheln: Spiralen<br \/>\nvon Ru\u00df, die sich aus der Petrolleumlampe winden.<br \/>\nVerschlossen die T\u00fcr, die Fenster verschlossen, verschmutzt.<br \/>\nHaufen von Schatten unten an der Wand.<br \/>\nEin Steintopf hinter der T\u00fcr. Daneben die Schalen<br \/>\neiner Zwiebel. Eine Maus nagt hier und da an Rinden<br \/>\nvon Brot. Jemand nimmt die Feldflasche zur Hand.<br \/>\nBewegung kommt in die Schatten, es lugen dabei<br \/>\naus M\u00e4nteln und Decken neugierig Augen, Gesichter &#8230;<br \/>\nEin schwerer Schritt die Treppe hinauf &#8230; Schweigen &#8230;<br \/>\nRiegel krachen &#8230; nebenan im B\u00fcro ein Schrei.<br \/>\nNoch einer, entsetzlich, lang &#8230; Dreckiger und dichter<br \/>\nwird das Fluchen. Die Riegel &#8230; Schritte, Treppensteigen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>MORGENROT<\/b><\/p>\n<p>Morgenr\u00f6ten, die man nicht sieht<br \/>\ndie man nur h\u00f6rt.<br \/>\nSchlaf, Alpdruck, aus Tr\u00e4umen<br \/>\naufschrecken &#8230; Da verflechten sich<br \/>\ndas Schnarchen der W\u00e4chter, der Geruch<br \/>\nvon Schwei\u00df und Benzin<br \/>\nmit Schreien, mit L\u00e4rm<br \/>\nund dem Gestank der F\u00e4ulnis.<br \/>\nUnd pl\u00f6tzlich von dort dr\u00fcben<br \/>\nein Laut, der einl\u00e4dt &#8230;<br \/>\nein breites Rauschen!<br \/>\nEin Pfeifen, Zwitschern &#8230;<br \/>\nDie V\u00f6gel auf der Kiefer<br \/>\nnehmen Abschied von der Nacht.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212; <em>Aus dem Albanischen \u00fcbersetzt von <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albanische Literatur Auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Arshi Pipa | Brikena Smajli | Frederik Rreshpja | Gazmend Krasniqi | Ledia Dushi | Martin Camaj | Primo Shllaku | Ridvan Dibra | Stefan \u00c7apaliku | Sokol ZekajEinige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch ARSHI PIPA (1920-1997) Arshi Pipa, 1920-1997; Philosophiestudium in Florenz, Promotion [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":509,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-34","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-geschichte","8":"category-literatur"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":191,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34\/revisions\/191"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}