{"id":29,"date":"2014-11-14T09:33:37","date_gmt":"2014-11-14T08:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=29"},"modified":"2020-09-27T15:55:23","modified_gmt":"2020-09-27T13:55:23","slug":"sokol-zekaj-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shkoder.net\/de\/sokol-zekaj-auf-deutsch\/","title":{"rendered":"Sokol Zekaj auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p><i>Albanische Literatur<\/i><\/p>\n<p><center><b>Auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=34\">Arshi Pipa<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=27\">Brikena Smajli<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=38\">Frederik Rreshpja<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=41\">Gazmend Krasniqi<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=43\">Ledia Dushi<\/a><br \/>\n| <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=46\">Martin Camaj<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.netde\/?p=49\">Primo Shllaku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=52\">Ridvan Dibra<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=60\">Stefan \u00c7apaliku<\/a> | <b>Sokol Zekaj<\/b><\/center>Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/p>\n<h3><strong>SOKOL ZEKAJ<\/strong> *<\/h3>\n<blockquote><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.shkoder.net\/images\/shkodra\/szekaj.jpg\" alt=\"Sokol Zekaj\" width=\"200\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><b>INDISKRET<\/b><\/p>\n<p><b>I<\/b><\/p>\n<p>Ich funkele vor Freude ihr glitzernden Zweige!<br \/>\nIch lehnte den Kopf unten an den Stamm.<br \/>\nBlumen gehen auf, eine Himmelssch\u00f6nheit<br \/>\nEin Vogel singt und neigt sie zu mir!<\/p>\n<p><b>II<\/b><\/p>\n<p>Aus ist das Spiel mit leeren Muscheln!<br \/>\nHeute platzen Kristalle aus Perlen!<\/p>\n<p><b>KLIMA DER ANWESENHEIT<\/b><\/p>\n<p>Nachtkristalle an zwei Weiden h\u00e4ngend!<br \/>\nIch suche eine Art Feuer, einen Wunsch<br \/>\nErloschene Seele, wieviele Steine bewarfen dich!<br \/>\nMein Atem hebt die alte graue Asche.<br \/>\nMild ist das Jahr wie s\u00fc\u00dfe Granat\u00e4pfel<br \/>\nGranat\u00e4pfelkernen gleich die Sterne am Himmel.<br \/>\nRebst\u00f6cke umarmen einander, sie tanzen Reigen<br \/>\nWie Gruppen von M\u00e4dchen voller Erregung<br \/>\n\u00dcber das Bild der Stadt das ferne flimmert.<br \/>\nWelche Fee reichte mir mit zaubrischer Hand<br \/>\nDie Birne mit dem heimlichen Duft der Truhe?<br \/>\nEin Windhauch der mit feinen Armen<br \/>\nFerner Feuer kommt und Funken spr\u00fcht.<br \/>\nIn diesem Jahr, mild wie Granat\u00e4pfel<br \/>\nWartete ich sie k\u00e4me mit dem Mond &#8211;<br \/>\nSie hatte in meinem Schatten geschlafen!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.shkoder.net\/images\/shkodra\/szekaj1.jpg\" alt=\"Sokol Zekaj\" width=\"250\" height=\"316\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><b>DREIZEHN VARIATIONEN<br \/>\n\u00dcBER EINE SENSIBILIT\u00c4T<\/b><\/p>\n<p><b>1<\/b><br \/>\nVerborgen im alten Strauch<br \/>\nMit frischem Gr\u00fcn<br \/>\nAn einem Punkt der nicht auf den Karten der J\u00e4ger steht<br \/>\nSchl\u00e4ft der Hase den Schlaf des Hasen.<\/p>\n<p><b>2<\/b><br \/>\nDer Sonnenstrahl ist eine goldne Rute<br \/>\nDie ihn am Ohr krault<br \/>\nMit s\u00fc\u00dfen T\u00f6nen.<\/p>\n<p>Doch der Hase wei\u00df<br \/>\nAuf der andern Anh\u00f6he gibt es einen Donnerblitz!<\/p>\n<p><b>3<\/b><br \/>\nBlau ist der Tag.<\/p>\n<p>Feldarbeiten dampfen.<\/p>\n<p>Der Hase wickelt sich ins Gewebe der Ruhe<br \/>\nDurchwoben vom Rauschen des Grases und der B\u00e4ume<br \/>\nUnd vom Ger\u00f6chel der Seele.<\/p>\n<p><b>4<\/b><br \/>\nMensch!<br \/>\nSchau den Hasen nicht in seinem Nest an!<br \/>\nEr ist empfindlich<br \/>\nWie das Licht des Auges<br \/>\nWie der Kern des Herzens,<\/p>\n<p>Er ist ganz Auge und Herz!<\/p>\n<p><b>5<\/b><br \/>\nDer Hase,<br \/>\nEin Bild der Eleganz,<br \/>\nLakonischer Ausdruck der Geringsch\u00e4tzung,<br \/>\nDie unbeugsame Seele der Morgenstunden,<br \/>\nEin Athlet des Mutes,<br \/>\nNimmt die Herausforderung<br \/>\nVon zwanzig Jagdhunden an<br \/>\nDie ihn verfolgen wie ein toller Teufelssturm.<\/p>\n<p><b>6<\/b><br \/>\nIm Nu eines Wimpernschlags<br \/>\nWickelt sich der Hase auf<br \/>\nWie ein Kn\u00e4uel, unerreichbar<br \/>\nIn den Augen der Vorstellung.<\/p>\n<p><b>7<\/b><br \/>\nEs war acht Uhr morgens<br \/>\nDer Hase begann den Totentanz<br \/>\nIm tragischsten<br \/>\nIm unterhaltsamsten<br \/>\nUnd durchgehecheltsten Schauspiel<br \/>\nIm flachen Gel\u00e4nde am Bach.<\/p>\n<p><b>8<\/b><br \/>\nDie Frauen ernteten Weizen<br \/>\nUnd besangen die Liebe.<\/p>\n<p>T\u00e4ubchen, komm, komm!<br \/>\nKommt, Fleisch oder Seele!<\/p>\n<p>Ihr heiteren Frauen<br \/>\nVerratet den Hasen nicht<br \/>\nWenn die J\u00e4ger es sagen<br \/>\nWenn sie euch fragen: Saht ihr einen Hasen<br \/>\nZwischen zwei Ohren versteckt?!<\/p>\n<p><b>9<\/b><br \/>\nWald, du kleiner Wald,<br \/>\nMutter der Seufzer<br \/>\nAn der Kreuzung der Winde<br \/>\nGib mir ein Blatt<br \/>\nDen zitternden Hasen zuzudecken<\/p>\n<p>Falls ich mir nicht die Hand abrei\u00dfe!<\/p>\n<p><b>10<\/b><br \/>\nMir klopft das Herz<br \/>\nWie dem Hasen nach einer feinen List<br \/>\nWenn sich das Gebell hinterm Wald verliert<\/p>\n<p><b>11<\/b><br \/>\nAuf Steinen ist der Hase nicht froh.<\/p>\n<p>Er ist das Gegenteil eines herzlosen Gegenstands!<\/p>\n<p><b>12<\/b><br \/>\nWer weidet in den G\u00e4rten der Nacht<br \/>\nUnd tanzt im Mondstrahl<br \/>\nWie die Weihnachtspuppe<br \/>\nIn den Fingern des wundert\u00e4tigen Meisters?<\/p>\n<p><b>13<\/b><br \/>\nEs behagt dem Hasen im heraufflimmernden Morgen.<\/p>\n<p>Das Behagen ist immer ein zersprungenes Glas.<\/p>\n<p><b>HALBLAUTE LIEDER<\/b><\/p>\n<p><b>I Morgend\u00e4mmerung<\/b><\/p>\n<p>Die Nacht gefl\u00fcgelt in der Luft<br \/>\nRollt sich langsam ein<br \/>\nWir bemerkten, winzig klein,<br \/>\nSpuren des Lichtes im Gras.<\/p>\n<p><b>II Vorabend<\/b><\/p>\n<p>Die goldne Kuppel des Minaretts gebr\u00e4unt<br \/>\nVon letzten Sonnenstrahlen im Westen<br \/>\nSchnell erloschen wie die Kerze im Wind, hoch<br \/>\nAm Himmelsgew\u00f6lbe einen Stern verbrennend.<\/p>\n<p><b>III Wei\u00dfe Nacht<\/b><\/p>\n<p>Wie ein Taucher tauchte ich in die wei\u00dfe Nacht<br \/>\nDurchwanderte die heimlichen Zauber des Ozeans<br \/>\nDer Atem stockte mir bei antiken Amphoren<br \/>\nDie Morgend\u00e4mmerung schlo\u00df mein Standbild in die Arme!<\/p>\n<p><b>TROST<\/b><\/p>\n<p>An den Rand des geheimnisvollen Brunnens<br \/>\nMit dem Fl\u00fcstern von Feen<br \/>\nUnd dem Hallen von Herzen<br \/>\nWo ich Sch\u00e4tze von Poemen ausschachte<br \/>\nSt\u00fcrzen Sonne und Mond<br \/>\nUnd viele goldene Sterne<br \/>\nUnd wundersch\u00f6ne M\u00e4dchen<br \/>\nGanz in Gold.<\/p>\n<p><b>HALBLAUTE LIEDER<\/b><\/p>\n<p><b>IV Herbstblumen<\/b><\/p>\n<p>Frische Herbstblumen<br \/>\nPl\u00f6tzlich aufgewuchert<br \/>\nDoch, wehe! ab und zu<br \/>\nTragisch ermattet,<br \/>\nMit einem Flaum wie Goldstaub<br \/>\nBlumen, von Bienen ertr\u00e4umt,<br \/>\nVerehrt von Schmetterlingen<br \/>\nZerbrechliche sp\u00e4te Krone von<br \/>\nUnwiederbringlich kurzen Tagen,<br \/>\nBeugt das Haupt nicht, ich bitte euch,<br \/>\nUnter diesem seidigen Himmel<br \/>\nSo wie ihr bl\u00fcht, die Wurzeln<br \/>\nIn ich wei\u00df nicht wessen Grab!<\/p>\n<p><b>V Er kam wieder<\/b><\/p>\n<p>Er kam wieder wie ein Hoffen, wie eine Freude<br \/>\nWie ein Sommerregen im Jasmingarten,<br \/>\nEr kam wieder, der klare Bach der Kindheit!<br \/>\nHell werde, was dunkle Jahreszeiten brachten,<br \/>\nZu dir soll ich den Kahn meines Herzens steuern<br \/>\nWo alles lichtrein gespiegelt wird,<br \/>\nSei das Auge voll Freude oder voll Tr\u00e4nen!<br \/>\nUnd kommt der Augenblick des Schiffbruchs,<br \/>\nSoll mich dein goldener Strom bedecken!<\/p>\n<p><b>VI Melancholie<\/b><\/p>\n<p>Ich h\u00fcllte mich in s\u00fc\u00dfe Frische, in die zauberische<br \/>\nRuhige, klare, dampfende und die traurige Frische des Alls<br \/>\nDie in meine Seele str\u00f6mte wie die Stirn des Mondes, wie Tau, wie<br \/>\nDie sch\u00f6ne Mondstirn, die halbe Obstb\u00e4ume beleuchtet im Westen<br \/>\nAlles was jetzt in meinem Schatten liegt, schien nicht mehr mein zu sein!<\/p>\n<p><b>VII Schlaf, meine Kleine <\/b><\/p>\n<p>Schlaf meine Kleine! \u00d6ffne das Traumfenster<br \/>\ndem sommerlichen Morgend\u00e4mmern!<br \/>\nSelbst die V\u00f6gel schlafen. Auch ist dies nicht<br \/>\nder Hodscha der da singt.<br \/>\nEs dreht sich das Tonband<br \/>\nder Moschee!<\/p>\n<p><b>MITTEN IN MEINEN BLUMEN<\/b><\/p>\n<p><em>A Palma de Mallorca<br \/>\nTout le monde est heureux<\/em><\/p>\n<p><b> Jean Cocteau<\/b><\/p>\n<p>An welchem Ufer der G\u00fcte trafst du mich heute<br \/>\nPalma de Mallorca<br \/>\nIch aber wei\u00df nicht, warum ich mir<br \/>\nVerse von Jean Cocteau hersagte.<\/p>\n<p>In den G\u00e4rten des Paradieses war alles<br \/>\nf\u00fcr mich ein verbotner Apfel<br \/>\nTrauer hielt ich in den H\u00e4nden<br \/>\nwie eine bitter schmeckende Frucht!<\/p>\n<p>Engel lie\u00dfen mir keine Ruhe<br \/>\nFl\u00fcgelschlagend \u00fcber blauen B\u00e4umen<br \/>\nAn die ich mich lehnte wie ein Absurdum<br \/>\ngewaltgebeugt von Frieden.<\/p>\n<p>Frischer, zarter Wohgeruch<br \/>\nversetzte mich in Tr\u00e4ume.<br \/>\nFr\u00fchlingsanbruch! Geschlummert hatte ich<br \/>\nInmitten von Blumen meines Landes.<\/p>\n<p><b>KIRSCHBAUM MIT NEUNZEHN BEDEUTUNGEN<\/b><\/p>\n<p><b> 1.<\/b><br \/>\nGetr\u00e4umter Inhalt von Dingen<br \/>\nPa\u00dft gut in eine vollendete Form<br \/>\nIm Augenblick durstiger Augen.<br \/>\nFreudenjubel ist keine waagerechte Bewegung<br \/>\nDerzeit spricht man viel \u00fcber Rimbaud.<\/p>\n<p><b>2.<\/b><br \/>\nVerstand, vergi\u00df nicht die Kirschen!<br \/>\nDenk an die, die voller Frische und Glanz waren<br \/>\nIn den G\u00e4rten deiner Vorstellung<br \/>\nIn denen du dich ab und zu ausruhtest<br \/>\nWie die Feuer in der D\u00e4mmerung.<\/p>\n<p><b>3.<\/b><br \/>\nSag nicht, der Kirschbaum, sei er auch erbl\u00fcht,<br \/>\nSei seelenlos!<br \/>\nSag keine Sachen die dir niemand glaubt<br \/>\nZumindest all die Wesen die Lippen wie<br \/>\nKirschen haben!<\/p>\n<p><b>4.<\/b><br \/>\nZwei Kirschen im Gesicht des Tages<br \/>\nSind keine Kirschen, o Gott,<br \/>\nEin Wunder sind sie das einem anderen gleicht.<\/p>\n<p><b>5.<\/b><br \/>\nDer Kern ist \u00e4lter als der Saft.<br \/>\nDer Saft ist die Vollendung der Natur.<\/p>\n<p>Was willst du, den Kern oder den Saft?<br \/>\nWozu will ich das Heute, wenn ich die Dauer verliere!<\/p>\n<p><b>6.<\/b><br \/>\nDer Vogel auf dem Zweig<br \/>\nDer J\u00e4ger unterm Kirschbaum.<br \/>\nDie Kirsche kullert vom Zweig<br \/>\nWie ein Vogelherz.<\/p>\n<p><b>7.<\/b><br \/>\nIn den Farben der Kirschen malt<br \/>\nDie Sonne eine Wiese.<\/p>\n<p>Eine Wolke zerbricht ihr wie ein trotziges Kind<br \/>\nDie Pinsel.<\/p>\n<p>Die Welt ist ohne die Farben der Kirschen<br \/>\nSchwarz und wei\u00df.<\/p>\n<p><b>8.<\/b><br \/>\nSollte sich eine Tr\u00e4ne irgendwo verlieren,<br \/>\nWird sie dorthin fallen unter den Kirschbaum?<\/p>\n<p>Wirst du dich b\u00fccken und sie suchen<br \/>\nWie den Edelstein aus dem Ring,<br \/>\nWie den Kern des geplatzten Wunsches?<\/p>\n<p>Wirst du eine Kirsche ins Herz einpflanzen?<\/p>\n<p><b>9.<\/b><br \/>\nDie Sonne versank in der Ferne.<\/p>\n<p>Der Wind musizierte im Laub.<\/p>\n<p>Der Kirschbaum wurde zum Spiegel<br \/>\nF\u00fcr den halben Himmel<br \/>\nHinten vom Braun der Nacht \u00fcberzogen.<\/p>\n<p><b>10.<\/b><br \/>\nDer Mond am Himmel.<br \/>\nDer Mond spiegelt sich in gr\u00fcnem Wasser<br \/>\nWie goldnes Kirschenlaub.<\/p>\n<p>Zwischen zwei Ausdrucksweisen die Kirsche<br \/>\nSchwarz<br \/>\nWie ein Ausrufungszeichen.<\/p>\n<p><b>11.<\/b><br \/>\nDie Frau im Bett tat einen Schrei<br \/>\nGetrieben von wohligem Schmerz.<\/p>\n<p>Der Kirschbaum im Garten lie\u00df Fr\u00fcchte reifen<br \/>\nIn einem kaprizi\u00f6sen Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><b>12.<\/b><br \/>\nIch sah den Musiker<br \/>\nDie Rinde absch\u00e4len<\/p>\n<p>Ich sah den Musiker<br \/>\nDen Baum streicheln<\/p>\n<p>Ich sah den Tischler<br \/>\nDie S\u00e4ge wegwerfen.<\/p>\n<p><b>13.<\/b><br \/>\nDer Kirschbaum<br \/>\nL\u00e4\u00dft die Fr\u00fcchte reifen und sagt:<\/p>\n<p>Der Dichter soll kommen!<br \/>\nIch mache ihn unsichtbar.<\/p>\n<p>Es ist eine Zeit unruhiger Geister<br \/>\nRubinrot werden die Kirschen<br \/>\nAn einem geschmeidigen Stamm.<\/p>\n<p>Der Dichter macht sich auf den Weg<br \/>\nUnd kommt immer an<br \/>\nWenn die Bl\u00e4tter fallen.<\/p>\n<p><b>14.<\/b><br \/>\nZornig war ich<br \/>\nWie ein Baum dem Kirschendiebe<br \/>\nDie Zweige geknickt haben.<\/p>\n<p><b>15.<\/b><br \/>\nUnterm Kirschbaum die Wiese<br \/>\nF\u00fcr den Reigentanz<br \/>\nDes Sommerschattens.<\/p>\n<p>Weich ist das Gras<br \/>\nUnbeachtlich<br \/>\nF\u00fcr die R\u00e4der des Unbewu\u00dften.<\/p>\n<p><b>16.<\/b><br \/>\nWind. Mondlicht. Wolken.<br \/>\nIch stehe<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend ich<br \/>\nDie Strahlen des Mondes<br \/>\nDen Kirschbaum bescheinen sehe<\/p>\n<p>Schwanke ich hin und her<br \/>\nWie Segel \u00fcberm Wasser.<\/p>\n<p>Ihr tiefen, geheimen T\u00f6ne,<br \/>\nWer ist die Glocke?<\/p>\n<p><b>17.<\/b><br \/>\nKirschbl\u00fcten sind reine Passionen<br \/>\nWie Eis im Feuer, Gegenwart in Abwesenheit<br \/>\nSo elegant, so eindringlich<br \/>\nUnwiderstehlich sind sie<br \/>\nWie Sonne wie Regen wie Schnee.<\/p>\n<p><b>18.<\/b><br \/>\nEr malte f\u00fcnf Kirschen.<\/p>\n<p>Es d\u00e4mmerte.<\/p>\n<p>Er f\u00fchlte sich matt<br \/>\nWie ein Kirschbaum im Kirschenmonat.<\/p>\n<p><b>19.<\/b><br \/>\nEin unvorstellbarer Tag war angebrochen<br \/>\nBewegung von Str\u00f6men in den Tiefen.<\/p>\n<p>Du erwachtest.<br \/>\nDein Bett wie ein Kahn im See des Tages<br \/>\nZwei Kirschen zwischen deinen Lippen.<\/p>\n<p><b>SEELENWOHNUNG<\/b><\/p>\n<p>Ich trat in deine Seele ein wie in eine unbekannte Wohnung.<\/p>\n<p>Der gleiche Wind blies vom Meer und vom Gebirge<br \/>\nEin Fenster beschien die Sonne, das andere der Mond.<br \/>\nWo warst du in dieser Zeit, im Tag in der Nacht?<br \/>\nIch erschrak vor meinem Schritt der im Schweigen hallte.<\/p>\n<p>Ich setzte mich und schlief<br \/>\nUnd ich erwachte.<\/p>\n<p>Ich sah dich auf der Stra\u00dfe kommen, eine Nelke in der Hand.<\/p>\n<p><b>HOCH OBEN FLOG DIE LERCHE<\/b><\/p>\n<p>Hoch oben flog die Lerche am blauen Nachmittag<br \/>\nUnd hinterlie\u00df eine blaue Spur<br \/>\nKein Schnee kein Regenbogen wischte sie aus<br \/>\nUnd keine bunte Tracht kein Blumenreigen.<\/p>\n<p>Ich ging zum Ufer und nahm eine Handvoll Sand<br \/>\nFast verga\u00df ich es, ich wei\u00df die Jahreszeit nicht mehr<br \/>\nJa doch, leicht war die Luft wie pl\u00f6tzliches Erinnern,<br \/>\nWie ein Bild das aufrei\u00dft, damit du die Dinge rein siehst.<\/p>\n<p>Ich mochte es immer am Wasser zu sitzen<br \/>\nDas Sichtbare zu betrachten, das Unsichtbare<br \/>\nWie es sich regt in unserem K\u00f6rper der Zeit<br \/>\nIn Gleichf\u00f6rmigkeit die ich als universal erlebe.<\/p>\n<p><b>DIE TAUBE<\/b><\/p>\n<p>die Taube flog in die Bl\u00e4ue des Sees<\/p>\n<p>in eine Schneewolke geriet sie<br \/>\nwei\u00df leuchteten die Berge<\/p>\n<p>der See ergraute im Nebel<br \/>\ndie T\u00e4ler seufzten<\/p>\n<p>mein Herz im Himmel nicht auf der Erde nicht<br \/>\nSchnee schmolz in warmen Rinnsalen<\/p>\n<p>lie\u00df neues Gras wachsen auf der Wiese<br \/>\nlange suchte ich zwischen Grashalmen<\/p>\n<p>eine Taubenfeder<\/p>\n<p><b>BLAU<\/b><\/p>\n<p><b>I Blauer Nachmittag<\/b><\/p>\n<p>Ich bin m\u00fcde<br \/>\nermattet<br \/>\nWie das Kind aus dem M\u00e4rchen<br \/>\nMit den zweiunddrei\u00dfig St\u00f6cken.<\/p>\n<p>Ich ging hinaus. Band mir das Tuch<br \/>\nUm die Stirn<br \/>\nDas auf meine Augen<br \/>\nBlaues Licht wirft.<\/p>\n<p><b>II Der Regenbogen<\/b><\/p>\n<p>Ein Regenbogen stieg aus dem See<\/p>\n<p>Schlo\u00df sich \u00fcber dem Wald.<br \/>\nZerflog zu Dampf<\/p>\n<p>Senkte sich in mich wie Gram.<br \/>\nEin Sturm. Er k\u00e4mmte mir die Haare<\/p>\n<p>Des sch\u00f6nen Kummers.<\/p>\n<p><b>III Der Schatz<\/b><\/p>\n<p>Ich nahm den Goldschatz in die Hand: er funkelte!<br \/>\nIch warf ihn wie ein funkelndes Spielzeug: er klingelte!<br \/>\nIm sorglosen Spiel jedoch fiel er mir in den Flu\u00df<br \/>\nBlendete mir mit dem letzten Blinken die Augen.<\/p>\n<p>Mein Goldschatz hat mich etwas gelehrt<br \/>\nDoch wozu die Lehre wenn er auf und davon ist!<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Aus dem Albanischen \u00fcbersetzt von <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/em><\/p>\n<p>\u00a9 \u00dcbersetzungen Hans-Joachim Lanksch<\/p>\n<p>* <em>Sokol Zekaj, geb. 1948 in Luis, studierte Agronomie, lebt in Koplik bei Shkodra. Schreibt Lyrik, Prosa und Essays<\/em>.<\/p>\n<p>&#8222;&#8230; <em>eine Lyrik der Erlebnisse, wobei die arithmetische Summe Berge, T\u00e4ler, B\u00e4ume, Blumen, Seen, Jahreszeiten und Schnee sind. Balladen, die in schimmernden Bildern erz\u00e4hlt werden, die geb\u00fcndelt einen statischen Raum wie einen gro\u00dfen Glaspalast erstehen lassen.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p><b>Gazmend Krasniqi<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albanische Literatur Auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Arshi Pipa | Brikena Smajli | Frederik Rreshpja | Gazmend Krasniqi | Ledia Dushi | Martin Camaj | Primo Shllaku | Ridvan Dibra | Stefan \u00c7apaliku | Sokol ZekajEinige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch SOKOL ZEKAJ * INDISKRET I Ich funkele vor Freude ihr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":488,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-29","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-literatur"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":196,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29\/revisions\/196"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}