{"id":27,"date":"2014-11-14T09:21:39","date_gmt":"2014-11-14T08:21:39","guid":{"rendered":"http:\/\/shkoder.net\/go\/de\/?p=27"},"modified":"2020-09-27T15:57:59","modified_gmt":"2020-09-27T13:57:59","slug":"brikena-smajli-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/shkoder.net\/de\/brikena-smajli-auf-deutsch\/","title":{"rendered":"Brikena Smajli auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p><i>Albanische Literatur<\/i><\/p>\n<p><center><b>Auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=34\">Arshi Pipa<\/a> | <b>Brikena Smajli<\/b> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=38\">Frederik Rreshpja<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=41\">Gazmend Krasniqi<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=43\">Ledia Dushi<\/a><br \/>\n| <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=46\">Martin Camaj<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=49\">Primo Shllaku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=52\">Ridvan Dibra<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=60\">Stefan \u00c7apaliku<\/a> | <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=29\">Sokol Zekaj<\/a><\/center><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von <a href=\"http:\/\/shkoder.net\/de\/?p=32\">Hans-Joachim Lanksch<\/a><\/em><\/p>\n<h3>&#8211; Lyrik und Erz\u00e4hlungen<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.shkoder.net\/images\/shkodra\/brikena_smajli.jpg\" alt=\"Brikena Smajli\" width=\"200\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"10\" \/> <b>Brikena Smajli<\/b> wurde am 01.01.1970 in Shkodra geboren. Philologisches Studium an den Universit\u00e4ten Shkodra und Tirana. Diplomarbeit \u00fcber die Lyrik T.S. Eliots. Sie schreibt Lyrik und Erz\u00e4hlungen und \u00fcbersetzt aus dem Englischen, Spanischen und Franz\u00f6sischen. Sie arbeitet an einem Buch \u00fcber die Lyrik T.S. Eliots. Brikena Smajli lebt als Lehrerin in Shkodra.<\/p>\n<p>Die hier vorgestellten Gedichte entstammen ihrem ersten, 1997 erschienenen Buch &#8222;T\u00eb fundit vdesin ulkonjat&#8220; (&#8222;Die W\u00f6lfinnen sterben zuletzt&#8220;), die lyrische Prosa entstammt ihrem zweiten, 2006 erschienen Buch P\u00ebrdit\u00eb nd\u00ebrtoj sht\u00ebpi me ashkla (&#8222;T\u00e4glich baue ich H\u00e4user aus Sp\u00e4nen&#8220;). Die Texte dieses Buches hatte die Autorin im Manuskript urspr\u00fcnglich in Versform geschrieben.<\/p>\n<blockquote><p><b>D\u00e4mmerung<\/b><\/p>\n<p>In meiner D\u00e4mmerung<br \/>\nWeint der Mond ohne H\u00e4nde<br \/>\nUnd taucht vor Scheu in seine Selbste.<br \/>\nEr weint und st\u00fcrzt in Palmenarme<br \/>\nSternschritte gehen davon.<\/p>\n<p>* * *<\/p>\n<p>(<em>Lied ohne Ende<\/em>)<\/p>\n<p>Der Wolf mit zwei Gesichtern<br \/>\nEngel und Mensch<br \/>\nKratzte am Dachgeb\u00e4lk<br \/>\nMit dem Tang von Eisbergen<br \/>\nUnd&#8230;<br \/>\nemptyemptyFand als Fossil<br \/>\nDie Liebe, ermordet<br \/>\nWegen eines unbedachten Wortes.<\/p>\n<p><b>Der Vogel<\/b><\/p>\n<p>Er briet im lodernden Wald<br \/>\nDie Brust qualmte, Luft bekam er nicht.<br \/>\nDie kleinen Augen, zwei traurige Lichter,<br \/>\nSchrien lautlos, voller Angst, denn sie brannten.<br \/>\nLange Zeit m\u00fchte sich der Ph\u00f6nix<br \/>\nIn Tr\u00e4nen, vom Feuer seiner selbst gekaut<br \/>\nZum Schlu\u00df st\u00fcrzte er, st\u00fcrzte in den geliebten See<br \/>\nIn dem Lilien sprossen&#8230;<\/p>\n<p><b>Schmerz<\/b><\/p>\n<p>Ich habe die Tauben get\u00f6tet.<br \/>\nUngewollt.<br \/>\nAuf der Erde blieben wei\u00dfe Federn zur\u00fcck<br \/>\nUnd Gurren in der Luft&#8230;<br \/>\n&#8230;der Tod st\u00fcrzt auf die Sonne.<br \/>\nUnten dr\u00f6hnt der erz\u00fcrnte Himmel.<br \/>\nAuf der Stra\u00dfe sind rissige Sterne<br \/>\nDie Welt ist eine Festung aus Fingern.<\/p>\n<p><b>Das Haus<\/b><\/p>\n<p>In jedem Auge schl\u00e4ft eine Abwesenheit<br \/>\nDie meinen Schmerz verachtet.<br \/>\nMeine Treppe f\u00fchrt mich dort hinunter<br \/>\nWo ich nicht sein kann.<br \/>\nIch schlafe in Algen ein.<br \/>\nWenn ich erwache<br \/>\nStechen mich schmerzhafte Dornen.<br \/>\nDie Abwesenheit l\u00e4\u00dft das Kissen im Zimmer leer.<br \/>\nIch habe so viele Stra\u00dfen<br \/>\nUm zum Tod zu gelangen<br \/>\nUnd mich zu versch\u00f6nen.<br \/>\nIch bin ein Vogel ohne Nest<br \/>\nLa\u00df mich keine Schuld begehen!<\/p>\n<p><b>Tr\u00e4nen<\/b><\/p>\n<p>Der Fluch der Fl\u00fcsse<br \/>\nTraf mich.<br \/>\nEs ist kalt auf der Stra\u00dfe.<br \/>\nMeine Beine werden na\u00df im Wasser.<br \/>\nWenn aber die Seelen weinen<br \/>\nZittern ihre Schatten in Wasserlachen<br \/>\nUnd dehnen sich;<br \/>\nIn H\u00f6hlen fahren<br \/>\nMythische Tiere in Booten.<br \/>\nDie Kerzenflamme flackert in der Einsamkeit<br \/>\nUnd k\u00fc\u00dft<br \/>\nDie Stalagmiten der Seele&#8230;<\/p>\n<p><b>Stummer Mond<\/b><\/p>\n<p>Der Mond versank im Laub.<br \/>\nZarte \u00c4hren stechen ihn<br \/>\nUnd schreien.<br \/>\nDann kreuzigen ihn die Fenster.<br \/>\nDie \u00c4hren wollen ihn umbringen.<br \/>\nDer Mond hat keinen Mund<br \/>\nZum Br\u00fcllen.<br \/>\nNur die traurige Grille in der Einsamkeit.<br \/>\nEr l\u00e4\u00dft Seelenstrahlen aufs Schilf scheinen<br \/>\nUnd f\u00e4rbt die Tr\u00e4ume mit Gr\u00fcn.<\/p>\n<p><b>Sehnsucht<\/b><\/p>\n<p>Das Meer hat meine Wellen fortgesp\u00fclt<br \/>\nUnd mir die schweren Wellen der Luft gelassen<br \/>\nDie Wellen der Stimmen die mich rufen.<br \/>\nDie Seen haben die Spiegel geschmolzen<br \/>\nUnd mir die Spiegel der Augen gelassen<br \/>\nDie Spiegel der Augen die mir fehlen.<br \/>\nDie Fl\u00fcsse haben das Wasser verdunsten lassen<br \/>\nViele Jahre weit, viele Jahre weit.<br \/>\nAm Drin* ber\u00fchre ich<br \/>\nFelsplatten der Sehnsucht&#8230;<\/p>\n<p>*<em>gro\u00dfer albanischer Flu\u00df<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3>PROSAGEDICHTE<\/h3>\n<p><b>1<\/b>.<br \/>\nEin Smaragdstein l\u00f6ste sich aus seinem Smaragdgestein. Er konnte sich nicht mehr wundern. Fast w\u00e4re er daran zersprungen. Er fiel in den Schlamm. Gewi\u00df hat niemand ihn bekommen, doch alle wissen von seinem Verlust&#8230; und da\u00df er irgendwo liegt, hier, da, dort. Also dr\u00e4ngen sich alle Leute.<\/p>\n<p><b>2<\/b>.<br \/>\nLeer die Stra\u00dfe von hier dorthin, wo sie auf mich warten. \u00dcppig wuchernde Pflanzenwelt sagt &#8222;ja&#8220; zum Lebewohl. Sie mag nicht als K\u00f6nigin in einem thronlosen Reich herrschen. Nur barfu\u00df in einem Gestirn gefriert sie zu Eis. D\u00fcstere D\u00e4mmerung brennt im Regen. Sie wei\u00df, da\u00df es keine M\u00e4chte gibt, die man sich mit Krieg erk\u00e4mpft, und in dieser Gewi\u00dfheit sterben Pflanzen, Gestirne&#8230;<\/p>\n<p><b>3<\/b>.<br \/>\nEtwas Regen f\u00fcr den Mond, noch einmal wird er sich waschen. Mit einem altmodischen Rock kommt er zu einer Abendgesellschaft, zu der Ikonen eingeladen sind. Halbdunkel und D\u00e4mmerung vermengen sich miteinander und spielen mit den erstarrten Winterv\u00f6geln. Der Himmel mag die Hy\u00e4nen, die ihn unten auf der Erde anheulen, \u00fcber l\u00e4ngst get\u00f6teten Tieren, geronnenem Blut und allem Vergessenen oder Weggeworfenem. Ihr Lachen ertr\u00e4gt er nicht, es h\u00e4ngt ihnen in den Mundwinkeln, damit sie sich \u00fcber nichts wundern. Ich habe Angst, mich in den alten Pyramiden zu verlaufen: ich m\u00f6chte mich nicht verirren im Paradies.<\/p>\n<p><b>4<\/b>.<br \/>\nIch gehe, um noch etwas da zu sein. In diesem eiserstarrten Wolfsrudel suche ich ein entschwundenes Wunder, um mit den Menschen sprechen zu k\u00f6nnen. Mit dem, was da ist, decken wir den vor langer Zeit entzweigebrochenen Tisch. Die Gottheiten vertagen unsere Treffen, die wir an dem Tag hatten, als die Zikaden in den Krieg zogen. Es fehlen die Mutigen, um Aug in Auge die Wahrheit zu sagen. Die Unm\u00f6glichkeit des Erreichens nagelt uns an der Schwelle des Aufbruchs fest. Mit den Knien zeigt sie uns den in Zentimetern abgemessenen Weg. Dort, wohin zu gehen uns nicht erlaubt ist, obwohl oder vielleicht gerade, weil wir es wollen und sollen, machen uns die Menschenwesen das Gehen so unm\u00f6glich. Ich schiebe S\u00e4cke der Geduld mit einer treubleibenden Gier nach Muscheln.<\/p>\n<p><b>5<\/b>.<br \/>\nDort dr\u00fcben sind Schildkr\u00f6ten gekommen und lassen uns sie nicht antreiben, sie gehen gem\u00e4chlich, sie w\u00e4gen ihre Beine und unsere Geduld ab. Das Warten br\u00e4t unsere Seelen und kr\u00fcmmt unsere Finger. Sie geht weiter dank ihrer Langlebigkeit und unserer Kurzlebigkeit.<\/p>\n<p><b>6<\/b>.<br \/>\nDie scheibengleiche Sonne wurde heute denen geschenkt, die sich nicht bem\u00fchten. Keine Am\u00f6be entdeckte unser wasserbespritztes Wesen. Meine Eroberung war so leicht zu beweisen. Eine W\u00f6lfe verkn\u00fcpft die Quellen und fr\u00f6stelt. Ich gehe fort: dorthin, wo die Spatzen nisten, zu Mond und Sonne, weit fort von den Schatten, die sich vom Pfad der Schlange davonstahlen. Es kommen auch die alten Feen wegen ein wenig Wasser im Licht des Mondes. Mich qu\u00e4lt das Wort, das ich an einem grauen Fluss gab, der verr\u00fcckt war vor B\u00e4ren und vielk\u00f6pfigen Schlangen.<\/p>\n<p>&#8212; <em>Aus dem Albanischen \u00fcbersetzt von <b>Hans-Joachim Lanksch<\/b><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albanische Literatur Auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch Arshi Pipa | Brikena Smajli | Frederik Rreshpja | Gazmend Krasniqi | Ledia Dushi | Martin Camaj | Primo Shllaku | Ridvan Dibra | Stefan \u00c7apaliku | Sokol Zekaj Einige Verfasser von Shkodra \u00fcbersetzt auf Deutsch von Hans-Joachim Lanksch &#8211; Lyrik und Erz\u00e4hlungen Brikena Smajli wurde am 01.01.1970 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":490,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":{"0":"post-27","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-literatur"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":491,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions\/491"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/shkoder.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}